Schwarzstorch gesichtet

Im Frühjahr 2013 konnte ein Schwarzstorch in Lützelbach fotografiert werden.

StorchDa der Schwarzstorch in den Revieren der Hegegemeinschaft Bad König eher seltener anzutreffen ist, nahmen wir die Sichtung zum Anlass, um hier einen kleinen Bericht über den Schwarzstorch in Hessen zu veröffentlichen. Die von mir gefundenen Daten, stammen aus dem Artenkonzept für den Schwarzstorch ( Ciconia nigra) in Hessen ( vom 24.02.12), die von der staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland- Pfalz und dem Saarland.

Der Schwarzstorch ( Ciconia nigra )

Verbreitung:

Von allen vorkommenden Storcharten weist der Schwarzstorch das größte Verbreitungsgebiet auf. Seine Brutgebiete reichen von Südportugal, Spanien, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Deutschland, Polen bis an den Pazifik. Lediglich im Norden Spaniens und im Süden Frankreichs findet sich eine Lücke.

Die Kerngebiete der Schwarzstorchbesiedlung in Deutschland liegen im Harz, Solingen, Nordhessisches Bergland, Rothaargebirge, Westerwald, Vogelsberg, Rhön, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge, Oberpfälzer Wald, Sächsisches Bergland, Erzgebirge und Elbsandsteingebirge.

Die höchste Siedlungsdichte des Schwarzstorches befindet sich in Hessen mit 75- 100 Revierpaaren. Hier weisen besonders folgende Bereiche hohe Dichten auf: Vogelsberg, hessische Rhön, hessisches Rothaargebirge, Kellerwald. Wobei der Vogelsberg mit einer Dichte von 16- 21 Paaren die höchste Dichte aufweist. Auch im Taunus und in Südhessen kam es vereinzelt zu Bruten.

Lebensraum:

Der Schwarzstorch brütet bevorzugt in Laub- und Mischwald Altholzbeständen. Man findet ihn jedoch auch in Fichtenwäldern im Frankenwald oder als Felsenbrüter in der Sächsischen Schweiz.

Früher ging man davon aus, dass etwa 2/3 der Schwarzstörche in den Laub- und Mischwäldern der Niederungen mit deren Sumpf,- Bruch,- und Altwasserlandschaften mit angrenzenden nassen Wiesen und Mooren brüteten. Nur etwa 1/3 der Population brütete im Bergland.

Heute ist dies jedoch eher umgekehrt. Zwar besiedelten die Schwarzstörche im Zuge ihrer Wiederausbreitung zunächst die Norddeutsche Tiefebene, heute finden sich die meisten Brutvorkommen jedoch in den Mittelgebirgen.

Lebensweise:

Der Schwarzstorch ist ein scheuer Waldvogel. Er lebt sehr zurückgezogen und ist gegenüber Störungen sehr empfindlich.

Der Aktionsradius des Schwarzstorches erstreckt sich bis zu 20 km um seinen Horst herum.

Unser heimischer Schwarzstorch kehrt im Frühjahr aus seinem Winterquartier in Afrika zurück und besetzt von Mitte März bis Mitte April seine Nistplätze.

In seinem dritten Lebensjahr wird der Schwarzstorch geschlechtsreif. Er lebt in monogamer Dauer. Beide Partner überwintern jedoch getrennt voneinander, treffen sich dann aber im folgenden Frühjahr wieder am Brutplatz. Diese Brutplätze werden treu beibehalten. Es kommt jedoch auch vor, dass das Paar seinen Brutplatz wechselt. Meist liegen die neuen Nester dann in einer Entfernung von 2- 6 km vom ursprünglichen Nest entfernt.

Sein Nest baut der Schwarzstorch gerne im Kronenbereich alter Bäume, in der Nähe des Stammes. Anfänglich ist das Nest ein kleiner flacher Bau von unter einem Meter Durchmesser. Da dem Nest meist über mehrere Jahre die Treue gehalten und daran ständig weiter gebaut wird, entwickelt sich hier im Laufe der Zeit ein beachtliches Bauwerk. Das Nest besteht aus Ästen und Reisig, die Nestmulde wird mit Moos, Blättern, Tierhaaren, Gras usw. ausgepolstert.

Gelege:

Ab April werden meist 2-5 selten 5 Eier gelegt. Nach Ablage des zweiten Eies, wird das Gelege 34- 38 Tage bebrütet. Beide Elternteile wechseln sich beim Brüten ab. In der Nacht brütet das Weibchen, das Männchen löst es dann bei Sonnenaufgang ab.

Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungen 63- 71 Tage im Nest. Nach dem Flüggewerden kehren die Jungen noch etwa 2 Wochen zum Nest zurück, um dort zu schlafen oder von den Altvögeln gefüttert zu werden. Ende Juni bis Anfang August streichen die Jungvögel dann endgültig ab.

Nahrung: Wasserinsekten, kleine Fische ( bevorzugt Bachforellen und Groppe), Amphibien. Zur Not nehmen sie auch Mäuse, Schnecken und Würmer. Der Schwarzstorch verschlicht seine Beute meist ganz, unverdauliche Bestandteile werden, wie bei den Greifvögeln, als Gewölle wieder hervor gewürgt. Zur Bildung solcher Gewölle nimmt der Schwarzstorch auch Pflanzenteile auf.

Zugverhalten:

Vereinzelt kehren Schwarzstörche bereits im Februar aus ihren Winterquartieren zurück, die meisten Vögel finden sich aber im März in ihren Brutrevieren ein.

Die meisten unserer Schwarzstörche machen sich bereit im August/September auf den Weg in ihre Winterquartiere. Sind die Vögel in ihren Brutrevieren gestartet, führt sie ihre Reise zunächst zu Sammelplatzen. Hier bilden sich dann Zug-, und Rastgemeinschaften. Meist bilden sich diese Trupps an Oder, Elbe und Donau. Jedoch auch bei uns in Hessen ( im Auenverbund in der Wetterau, südöstlich von Tann/Rhön und im NSG Rhäden von Obersuhl) konnten Schwarmbildungen beobachte werden.

Von ihren Sammelgebieten ausgehend machen sich die Tiere dann auf den Weg nach Afrika.

Ein kleiner Teil der Tiere zieht über die Alpen und das mittlere Mittelmeer. Der größte Teil gelangt über die Straße von Gibraltar oder den Bosporus ( die Tiere flogen ihre Route durch Teile Asiens) nach Afrika.

Unsere mitteleuropäischen Schwarzstörche wählen meistens die Route südandalusische Küste  Meerenge von Gibraltar  Nordmarokko Atlasgebirge  Westafrika

Bestandsentwicklung:

Der Schwarzstorch gehört zu den Vogelarten, dessen Bestand in den letzten 25 Jahren zunahm. So ist der Schwarzstorch heute nicht mehr als „ vom Aussterben bedroht“ sondern als „ gefährdet“ eingestuft.

Den absoluten Tiefpunkt erreichten die Schwarzstorchbestände in den Jahren 1950 und 1960, hier konnten gerade mal 15-25 Brutpaare gezählt werden. Ender der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts konnten bereits wieder 35 Paare und bis 1990 140 Paare gezählt werden. Heute ( Stand 2012) wird von 560 Brutpaaren ausgegangen.

Auch das Verbreitungsgebiet der Brutpaare expandierte. Bis zum Beginn der 1940er Jahre waren lediglich Paare in Niedersachsen bekannt. 1947 konnte ein Paar in der Oberpfalz bestätigt werden. Ende der 1970er Jahre breitete sich das Brutgebiet der Schwarzstörche auch auf Hessen, Rheinland- Pfalz, und Nordrhein- Westfalen aus.

Entwicklung der Schwarzstorchbestände in Hessen:

Im 19. Jahrhundert war der Schwarzstorch in Hessen weit verbreitet. Ein Rückgang der Bestände setzte an der Mitte der 1850er Jahre ein. 1909 wurde in Battenberg das letzte hessische Brutpaar erlegt. Erst 1972 wurde dann wieder in Hessen der erste sichere Brutnachweis erbracht. Danach sollte es dann leider erst weitere 10 Jahre dauern, bis erneut eine Brut in Hessen beobachtet werden konnte. Seit dieser Zeit, nehmen auch in Hessen die Schwarzstorchbestände weiter zu.

 

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